Auffällige Messwerte
Abrechnung der Heizkosten nach Verbrauch kann anfechtbar sein

Von Falk Zielke

Über die Abrechnung von Heizkosten entbrennt mitunter Streit. Klar ist: Wenn die Messwerte nicht stimmen können, muss im Zweifel die Abrechnung geändert und der Verbrauch im Zweifel anders ermittelt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass einige Bewohner zu viel zahlen müssen. Grundlage kann dann zum Beispiel der Verbrauch der betroffenen Räume in vergleichbaren Zeiträumen sein. Möglich ist auch, den Durchschnittsverbrauch des Gebäudes oder der Nutzergruppe zu ermitteln.

Neu ermittelter Verbrauch als Grundlage

Der so ermittelte Verbrauch ist bei der Kostenverteilung dann anstelle des erfassten Verbrauchs zugrunde zu legen, wie eine Entscheidung des Landgerichts Karlsruhe zeigt (Az.: 11 S 8/18). Darüber berichtet die Zeitschrift „Wohnungswirtschaft und Mietrecht“ (Ausgabe 3/2019) des Deutschen Mieterbundes (DMB). In dem verhandelten Fall ging es um die Jahresabrechnung einer Eigentumsgemeinschaft für das Jahr 2015. Insgesamt wurden darin rund 7400 Euro an Heizkosten berechnet. Die Eigentümerin einer Wohnung im Erdgeschoss sollte davon rund ein Drittel, nämlich 2400 Euro, übernehmen. Der restliche Betrag verteilte sich auf die Eigentümer der übrigen sieben Wohnungen.

Laut der Messwerte, die der Heizkostenabrechnung zugrunde lagen, entfielen angeblich fast 50 Prozent des Gesamtverbrauchs im Haus auf den Heizkörper im Wohnzimmer der Klägerin.

Die Klägerin begründete ihre Klage unter anderem mit ihrem geänderten Heizverhalten. Bis 2013 habe ihr todkranker Ehemann im Wohnzimmer die Heizung immer voll aufgedreht. Seit seinem Tod sei das aber nicht mehr so gewesen. Daher zweifelte sie die Messwerte in ihrer Abrechnung an.

Mit Erfolg: In der Beweiserhebung stellte ein Sachverständiger schließlich erhebliche Mängel in der Verbrauchsmessung fest. Auf einer so unzureichenden Datengrundlage war nach Ansicht des Gerichts eine realistische Abrechnung nach Verbrauch tatsächlich nicht möglich.

Dass die Messwerte bei den Heizkosten in den Vorperioden ähnlich hoch waren, habe die Klägerin mit der Krankheit ihres Mannes plausibel erklärt. Dieser Grund falle aber für die umstrittene Abrechnung und die Folgejahre weg. Einer gesonderten Aufklärung der Ursachen für die auffälligen Messwerte bedurfte es aus Sicht des Gerichts für die Entscheidung in dieser Angelegenheit jedoch nicht.