32,8km und 29°C

Beim Frühstück sitzen eine Belgierin und ihre Tochter mit am Tisch. Ihr Sprache klingt so anders, das ich fragen muss wo sie herkommen. Es sind Flamen. Die Tochter ist vielleicht 10 und richtig tapfer am Laufen. Heute werden es bei ihnen 22km. Respekt. Während des Frühstücks unterhalten wir uns über Sanskrit, denn das unterrichtet sie wohl. Sie war auch in der Mongolei, da ist der Gesprächsstoff klar. Das war ein richtig schönes Frühstück. Nur leider müssen auch sie los. Bei uns werden es heute knapp 33km. 

Wir laufen nicht nochmals durch Bourton durch, obwohl  das ohne viele Leute bestimmt ganz anders wirken würde. Gleich hinter Bourton queren wir die erste Weide und tausend andere werden folgen. Diesmal kommen wir leider durch keine Dörfer sondern laufen die ganze Strecke, bis kurz vor Cheltenham, über Farmland.
Am Anfang ist es noch wirklich schön. Es geht an einem Bach, dem Windrush, entlang, der Weg ist schön zu laufen und nur wenige Gatter sind im Weg. Aber je später der Tag und die gelaufenen Kilometer werden, desto schwieriger wird das Gelände. Die Gatter kann man nicht mehr öffnen, man muss über hohe Konstruktionen klettern und das mit schwindender Kraft. Nach 20km kommt so das erste „Warum mache ich das überhaupt – Gefühl“ auf.  Es ist ja schön, dass das Wetter toll ist, aber fast 30°C!? Wir schwitzen wie die Blöden, der Weg verläuft meist in der Sonne und wir wissen genau dass unser Wasser nicht reichen wird. Es gibt aber auch keine Einkehrmöglichkeit oder die Option aufzufüllen. Der Weg ist oft unpassierbar, weil Brombeerhecken und Brennnesseln alles zugwuchert haben. Das fördert nicht gerade unsere Stimmung.
Wir wissen auch, dass wir noch eine erhebliche Strecke auf Asphalt in Cheltenham vor uns haben. Gott sei Dank finden wir dort einen kleinen Markt wo wir etwas zu trinken bekommen – unsere Rettung. Der Kreislauf macht langsam schlapp ob zu wenig Flüssigkeit. Laufen geht noch, stehen bleiben nicht mehr. Nach etwas mehr als 8,5 Stunden, nachdem wir im TESCO vor dem B&B noch 2 mal 1,5 Liter Wasser gekauft haben,  kommen wir völlig ausgepowert an. Als wir die Schuhe ausziehen kribbeln unsere Füsse als ob tausende Ameisen darauf wären. Nach einer mehr als nötigen Dusche entscheiden wir uns nicht mehr in die Stadt zum Essen zu gehen, das wären wieder 2km einfach und das schaffen wir nicht mehr. Im TESCO holen wir uns Sushi, Wraps, Humus, Cracker und eine Flasche Wein. Das Alles verspeisen wir genüsslich auf der Terrasse. Während wir essen kommt ein Mann in den Garten. Er wird mit seiner Frau genau unsere Strecke laufen und wir können ihm ein paar Tipps geben.
Es ist jetzt 20:30 und es ist uns nach Schlafen zumute.

Grüße aus England / Cotswolds / Cheltenham

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